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Bildanalyse – DalbenTanz

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DalbenTanz #2DalbenTanz #1

Ein kalter Novembermorgen, zu Sonnenaufgang in Eckwarderhörne beim Preußeneck. Mit ein paar Freunden beobachtete ich, wie die Sonne am Horizont erschien und das vom Wind wogende Wasser die Dalben des alten Fähranlegers scheinbar zum Tanzen brachte. Wir experimentierten mit Graufiltern im Gegenlicht, während uns die steife Brise um die Ohren pfiff. Die Fotos, die wir schossen, wirkten wärmer als uns zu mute war. Wir machten uns vor Ort Gedanken, wie man die Stimmung und das Arrangement für eine gute Bildgestaltung schon bei der Aufnahme optimal beeinflussen kann. Daraus ist im Nachhinein diese Bildanalyse entstanden.

Für die Tiefenwirkung ist es wichtig, dass Objekte im Vordergrund entweder unter der Horizontlinie bleiben oder sie deutlich überschneiden. Der Betrachter kann auf dem zweidimensionalem Bild sonst die Objektstaffelung nicht ableiten. Es entspricht unseren Sehgewohnheiten, dass Objekte im Vordergrund größer erscheinen als Objekte im Hintergrund. Wenn die Horizontlinie nun mit Kanten von Objekten im Vordergrund auf einer Höhe sind, funktioniert diese Umsetzung in einer zweidimensionalen Abbildung nicht mehr.

DalbenTanz #2DalbenTanz #1Bildelemente sind hier Linien und Punkte, sowie Flächen und Formen, auf die ich später etwas eingehe. Die Linien sind sofort klar, Horizont und natürlich die Dalben. Aber die Punkte sind einem oft nicht so bewusst. Aber gerade die Punkte haben ein sehr großes Gewicht in der Gesetzmäßigkeit der menschlichen Wahrnehmung (Gesicht – Augen / Punkt Punkt Komma Strich :-). Der wichtigste Punkt ist die Sonne, die durch ihre verhältnismäßig große und helle Fläche im Bild zusätzlich gewichtet wird. Dem gegenüber sind die beiden kleinen Punkte (Dreiecke – wegen ihrer geringen Größe spielt die Form eine untergeordnete Rolle) auf dem rechten Dalben. Man kann sie gedanklich mit einer leicht aufsteigenden Linie (wirkt psychologisch positiv) verbinden und das auch noch in Leserichtung. Das sind also die gewichtigsten Punkte im Bild.

Aber durch die Kreuzungen der Linien ergeben sich nach der Gestaltungspsycholgie weitere Punkte. Sie „verknüpfen“ Vordergrund mit Hintergrund und die Horizontlinie wirkt damit zum Verbindungselement und hält die Gruppe der Dalbenlinien zusammen (mögliche Symbolik: Harmonie, Notenzeile – im weitesten Sinne eine Melodie – meine Assoziation, daher der Titel „DalbenTanz“). Aber die ganzen Verknüpfungspunkte können auch schnell zu einer Überladung führen (vergl. Hoch- mit Querformat).

Bei Hoch- und Querformat bin ich schon bei der nächsten Betrachtungsweise angelangt. Senkrechte Linien symbolisieren u.a. Aufstreben und Standfestigkeit. Wenn man also solche Linien im unteren Drittel (Drittelteilung / Goldener Schnitt) platziert und dem Aufstreben viel Raum gibt, wie im Hochformat, dann wird dieses Symbol stärker gewichtet als im Querformat.

DalbenTanz #2

DalbenTanz #1

Nun zu der Flächen- und Formen-Betrachtung. Die Sonne ist ein Kreis und damit bekommt sie hohes Gewicht. Die beiden kleinen Dreiecke rechts stehen dazu im förmlichen Kontrast. Die Rechtecke der Dalben gehen in den abgedunkelten Farbflächen unter und spielen kaum eine Rolle bei der förmlichen Betrachtung. Die Farbflächen erzeugen eine Art Durch- oder Tunnelblick zum Hauptmotiv Sonne, das ergibt sich bei solchen Aufnahmesituationen eigentlich immer von selbst. Die dunklen Flächen rahmen das Hauptmotiv ein und bilden am unteren Rand eine Fläche, die Standfestigkeit oder Erdung symbolisieren könnte. Bei der Betrachtung der Flächenharmonie lohnt es sich das Bild mal auf 4 Farbstufen zu reduzieren. Ich steche dann gedanklich eine Stecknadel in das Zentrum des Bildes (Mitte des Bildformats und / oder Hauptmotiv als Zentrum) und weise den Flächen Gewichte zu. Wenn dann aufgrund von starken Über- oder Untergewichten sich das Bild um den Drehpunkt meiner gedanklichen Nadel-Waage neigen würde, ist die Flächenharmonie unausgewogen. Diese Betrachtungsweise würde mehr für das Querformat sprechen.

Diese Betrachtungsweise unterliegt meinen subjektiven Kenntnissen und dessen Interpretation. Es mag also auch ganz andere Ansätze geben. Letztendlich spielt beim Betrachter noch die eigene subjektive Wahrnehmung eine wichtige Rolle. Das macht es auch schwierig Bilder überhaupt zu bewerten.

Noch ein paar Fakten zur vorherrschenden monochromen Farbgebung in diesen Werken. Orange wird wohl auf viele Menschen positiv wirken.

Wirkungen von Farben – Orange
Auszug – Quelle – www.kunstbrowser.de

Psychologie

Die Farbe wird in ihren Tönungen für Erfrischung, Fröhlichkeit und Jugend gesetzt. Sie steht so für Lust, Freude aber auch Reife.
Orange gilt in der Psychologie als stimmungsaufhellend, stimulierend und wird mit Lust und Geschlechtsverkehr verbunden.
In Kombination mit Terrakotta-Tönen betont es einen „mediterranen“ Stil und wirkt belebend und optimistisch.
Alle großen Fastfood-Ketten in den USA benutzen Orange zusammen mit Rot und Gelb in ihren Logos, da es appetitanregend wirkt.
In der Tiefenpsychologie steht es für Kommunikation und den Wunsch nach Einheit.

Symbolik

Signalfarbe:
Orange ist eine Warnfarbe, sie wird im Straßenverkehr und in der Gefahrengutkennzeichnung (Gefahrensymbole) eingesetzt.
Die mit „Reinorange“ bezeichnete RAL-Farbe hat die Farbnummer RAL-2004 und die RGB-Koordinaten R = E7, G = 5B und B = 12. Es ist die Farbe des Katastrophenschutzes.
Orange ist durch den notwendigen Rotstich auffälliger als ein Gelb.

Religion:
Im Buddhismus ist Orange eine präsente Farbe. Die Gewänder der Mönche sind in dieser Farbe gehalten.
Im tantrisch geprägten Kulturkreis Indiens gilt es für selbstloser Dienst, Mönchtum und Entsagung.
Orange ist in Nordirland ein Zeichen für den Protestantismus, begründet im Oranier-Orden.
Die Farbe wurde unter anderem als Zeichen der protestantischen Kirchen beim deutschen evangelischen Kirchentag 2007 verwendet. Man sah sie bei den exklusiven Schalen, die viele Teilnehmer trugen, der
Beleuchtung in der Nacht und vor allem bei der Schrift der Plakate für diesen Anlass.

Design:
In den 1970er Jahren war Orange eine Modefarbe. Die Orangetöne bis zum Terrakotta geben den mediterranen Typ bei ihren Anwendungen.

Politik:
In den Niederlanden ist die Farbe das Symbol des Königshauses Oranien und die Trikotfarbe der Fußball-Nationalmannschaft („Oranjehemden“).
Bei den Präsidentschaftswahlen in der Ukraine 2004 kam es wegen dabei aufgetretener Fälschungen zur sogenannten „Orangen Revolution“, die schließlich am 26. Dezember 2004 zu einer Wahlwiederholung und zum Sieg des vormals unterlegenen Kandidaten Wiktor Juschtschenko führte.
Aufgrund der psychologischen Bedeutung der Farbe Orange nutzt die Ärztegewerkschaft Marburger Bund diese in ihrem Corporate

Ausszug Ende

Hier noch eine andere Analyse: fokussiert.com

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