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Bildgestaltung Teil 1 – Sinne

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Die Bildgestaltung

ist ein recht komplexes Thema. Wenn man sich länger mit dem Thema befasst, so gerät man in die Bereiche der Physiologie, Psychologie und Philosophie bis hin zur Religion oder Politik, ganz zu schweigen von der Definition der Kunst. Aber keine Angst, diese nicht ganz unwichtigen Randgebiete werde ich nur streifen. Doch zur Einführung halte ich es dennoch für sehr wichtig, dass ich ein paar Worte zu den Sinnen im Teil 1 und zur Wahrnehmung im Teil 2 aufschreibe.

1 Sinne

Klassischerweise unterscheidet man im allgemeinen Sprachgebrauch fünf Sinne, die bereits von Aristoteles beschrieben wurden.

1. Sehen, die visuelle Wahrnehmung mit den Augen
2. Hören, die auditive Wahrnehmung mit den Ohren
3. Riechen, die olfaktorische Wahrnehmung mit der Nase
4. Schmecken, die gustatorische Wahrnehmung mit der Zunge
5. Tasten, die taktile Wahrnehmung mit der Haut

500px-Nocube.svgEs sind heute weitere menschliche Sinne bekannt. Für die Bildgestaltung sind sie aber unbedeutend. Sehen und Hören werden auch als Fernsinne bezeichnet und sind unsere wichtigsten Wahrnehmungs-Eingänge. Sehen scheint für die Bildgestaltung am wichtigsten zu sein, aber auch die anderen Sinne spielen noch eine Rolle, wenn es um Inhalte und Symbolik geht.

Die visuelle Wahrnehmung ist die Aufnahme und Verarbeitung visueller Reize. Mit ihr findet im Gehirn eine Selektierung und Verknüpfung relevanter Informationen statt. Im Wesentlichen ist es die Erkennung von Objekten und deren Interpretation durch Vergleiche mit Erinnerungen bzw. Erfahrungen. Das Sehen geht also weit über die Aufnahme von Informationen hinaus. Daraus wird schnell klar, warum dieser Sinn so wichtig für den Menschen ist.

Wir erkennen damit Zusammengehörigkeiten von Objekten und haben gelernt räumliche Zusammenhänge zu begreifen. Der ständige Abgleich mit bekannten Mustern ermöglicht es, dass wir uns im dreidimensionalen Raum zurechtfinden.

Die wohl wichtigste soziale Wahrnehmungsleistung des Menschen ist die Gesichtserkennung. Im Gegensatz zu den meisten Alltagsobjekten müssen Gesichter gesondert wahrgenommen werden, daher unterliegen sie einem besonderen Schema der Wahrnehmung. Aus diesem Grund haben sie in Abbildungen ein sehr hohes Gewicht für die Aufmerksamkeit. Die so genannte foveale Wahrnehmung. Die Fovea centralis – Sehgrube, ist in der Anatomie der Bereich des schärfsten Sehens auf der Augen-Netzhaut bei Säugetieren. Das foveale System wirkt wie ein extrem starkes Teleobjektiv mit gleichzeitiger Makrofunktion. Wie ein Scheinwerfer tastet es ein Bild ab und fixiert die wichtigsten Informationen darin. Alles Unwichtige wird dabei mehr oder weniger ausgeblendet und unterliegt dem peripheren Sehen. -> wikipedia.org

Vision_2_secondes

Quelle: wikipedia.org
Im Auge des Lesers, Transmedia Verlag, Stäubli AG, Zürich 2006
Autor Hans-Werner Hunziker

Das soll zunächst als eine ganz nüchterne physiologische Betrachtung reichen. Wenn man sich nun verinnerlicht, wie die Sinne arbeiten, dann wird klar, dass bestimmte Muster in der Bildgestaltung immer funktionieren werden. Sie selber zu erkennen und auf ein Foto oder Bild zu bannen, ist eine andere Sache.

Soviel zum ersten Teil meiner Sichtweisen zur Bildgestaltung. Im nächsten Teil geht es ums Sehen lernen. Zum Abschluss, um nochmal die weitreichenden Auswirkungen der Gestaltung in die eingangs beschriebenen Bereiche zu verdeutlichen, ein kleines Gedicht von Gabriela Bredehorn, über das ich bei der Recherche gestolpert bin und wie die Faust aufs Auge passt:

Wahrnehmung

Wir sehen, was wir sehen wollen,
nicht alles ist auch sichtbar da.
Weil wir so gern dem Lichte zollen,
nimmt selten jemand Schatten wahr.

In Tiefen spiegelt sich das Sein,
als der Koloss im Lebensmeer.
Das Ende taucht ins Dunkle ein,
der Anfang täuscht das Auge sehr.

Doch schmilzt das Eis an tiefster Stelle,
die man zuvor noch niemals sah,
dann flutet es die Sicht der Schwelle,
die bisher nur verborgen war.

© Gabriela Bredehorn, 2011 – Aus der Sammlung Leben

Bilgestaltung
Teil 1 – Sinne
Teil 2 – Wahrnehmung

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