EinSchlag

Lieblingsbild: EinSchlag

Kommentare 0
Blog, Galerie, Lieblingsbild, Tipps & Tricks

Wirklichkeit und erdachte Wirklichkeit sind nicht wirklich weit voneinander entfernt. Zu große Erwartungen werden nicht selten enttäuscht und Stimmungen entstehen durch aufkeimende Emotionen, die oben im Kopf angekommen gefühlt werden.

Manchmal bekommt man genau das Gegenteil von einer Erwartung. So ergeht es mir, wenn ich meiner Lieblingsbeschäftigung, der Natur- und Landschaftsfotografie, nachgehe. Die Erlebnisse, die ich dadurch habe, sind für mich wichtiger, als die Bilder, die dabei entstehen. Ich versuche dabei immer offen für alles Unerwartete zu sein und werde dahingehend meistens auch belohnt. Mit dem guten Gefühl etwas alltägliches mit besonderer Wertschätzung wahrgenommen zu haben und manchmal auch mit einem tollen Bild, das genau das widerspiegelt. Das ist der Motor, der mich immer wieder antreibt.

Kontrast

Es war ein warmer sonniger Spätsommertag, der einen schönen Sonnenuntergang versprach. So machte ich mich in freudiger Erwartung auf nach Bremerhaven. Dort angekommen sah ich mich dann aber einer dunklen Gewitterfront gegenüber. Keine Chance mehr auf die untergehende Sonne am Horizont. Gleich würde der Himmel seine Schleusen öffnen und der Regen niederprasseln. So suchte ich mir einen geschützten Unterstand, um das kommende Unwetter trocken zu überstehen.

Ich stand genau vor dem Atlantik-Hotel und beobachtete die dramatischen Wolken über dem Gebäude. Allemal ein Bild wert. Und beim Einrichten der Kamera auf dem Stativ ging dann auch meine Fantasie mit mir durch. Wäre doch super, wenn es mir gelänge einen Gewitterblitz über dem Hotel einfangen zu können. Oder besser noch einen Blitzeinschlag in die Funkantenne, die auf dem Dach thront. Nicht, dass ich das heraufbeschwören wollte. So ein Blitzeinschlag in eine Antenne hat mitunter schlimme Auswirkungen auf die Elektronik des damit verbundenen Kommunikationssystems. Aber das Bild war da und ich hatte es ziemlich klar vor meinem inneren Auge.

Bevor es auch nur blitzte und donnerte kam ein Platzregen mit ordentlich Wind im Gepäck hernieder. Der nötigte mich meinen Unterstand zu verlassen, weil ich drohte klatschnass zu werden. Ich flüchtete in ein naheliegendes Bistro und erfreute mich bei einer heißen Tasse Kaffee an diesem Erlebnis, auch wenn es nichts mit einem erhofften Sonnenuntergangsbild geworden war. Mein Gedankenbild vom Blitzeinschlag blieb und die Aufnahme vor dem Wolkenbruch befand sich sicher auf der Speicherkarte. Und so kreisten meine Gedanken auch schon um die Verwirklichung eines solchen Bildes.

Es werde Regen

Nun wieder zuhause überlege ich, wie ich das Bild im Kopf realisieren könnte. Ein gutes Ausgangsbild habe ich, nun brauche ich noch starken Regen und einen Blitz. Das Ausgangsbild optimiere ich hinsichtlich gängiger Parameter (Kontrast, Farben usw.) und dient mir als Hintergrund-Ebene.

Ausgangsbild

1. Regen simmulieren:

1.1 Ich erstelle zwei Ebenen, die untere mit Schwarz gefüllt, die obere mit Weiß. Die weiße Ebene versehe ich mit dem Füllmodus „sprenkeln“ und mit 1% Deckkraft.

Einschlag_1_1_Regen

Einschlag_1_1_Regen (bei Galerieansicht ggf. F11 drücken)

1.2 Beide Ebenen markiere ich und dupliziere sie zweimal. Die zweite weiße Ebene bekommt 2% und die dritte weiße Ebene 3% Deckkraft.

Einschlag_1_2_Regen

Einschlag_1_2_Regen (bei Galerieansicht ggf. F11 drücken)

1.3 Nun vereine ich jeweils die weiße Ebene mit der darunter liegenden schwarzen Ebene. Jetzt habe ich drei gesprenkelte Ebenen über der Hintergrund-Ebene liegen. Zur besseren Orientierung nenne ich sie gemäß der Deckkrafteinstellung „Regen 1-3“.

1.4.1 Die Ebene „Regen 3“ soll später im Hintergrund liegen. Damit nun aus den Sprenklern fallende Tropfen werden, wende ich den Weichzeichnungsfilter „Bewegungsunschärfe“ an. Winkel und Abstand simulieren Windrichtung und Belichtungszeit. In meinem Fall habe ich einen Winkel von 75° und einen Abstand von 45 eingestellt.

Einschlag_1_4_1_Regen

Einschlag_1_4_1_Regen

1.4.2 In der Tonwertkorrektur verschiebe ich den Weißpunktregler, damit sich die Striche mehr hervorheben. Anschließend vereine ich die Tonwertkorrektur mit der darunterliegenden Ebene.

Einschlag_1_4_2_Regen

Einschlag_1_4_2_Regen

1.5 Die Ebene „Regen 2“ soll einzelne Tropfen simulieren, die vom später folgenden Blitz „eingefroren“ wurden. Ich habe die Ebene zunächst auf das Doppelte hoch skaliert, um die Anzahl der Tropfen zu reduzieren. Dann aktiviere ich eine Ebenenmaske und fülle diese mit „Filter“ „Renderfilter“ „Differenz-Wolken“.

Einschlag_1_5_Regen

Einschlag_1_5_Regen (bei Galerieansicht ggf. F11 drücken)

1.6 Die Ebene „Regen 1“ soll ganz vorne liegen. Damit die Regenschichten später nicht zu gleichmäßig wirken, spiegle ich diese Ebene mit „Bearbeiten“ „Transformieren“ „Horizontal spiegeln“. Nun wende ich auch hier den Weichzeichnungsfilter „Bewegungsunschärfe“ an. Allerdings dürfen hier die Tropfen ruhig durch Windböen einen veränderten Winkel haben und etwas „schneller“ fallen. Einstellungen hier für Winkel 65° und für Abstand 85. Anschließend mache ich wieder eine Tonwertkorrektur zur Hervorhebung der Striche.

1.7 Alle Regenebenen schalte ich nun ein und stelle jeweils den Verrechnungsmodus auf „Negativ multiplizieren“. Wow … das plätschert ganz schön!

1.8 Die Perspektive in diesem Bild ist stark nach oben geneigt. Und so muss ich alle Regenebenen noch etwas trapezförmig verzerren. Zunächst bringe ich mit „Auswahl“ „alles auswählen“ und „Bild“ „freistellen“ alle zuvor skalierten Ebenen auf das Originalmaß zurück. Dann markiere ich in der Ebenenpalette alle Regenebenen und simuliere anschließend mit „Bearbeiten“ „Transformieren“ „Verzerren“ einen aufsteigenden Blick.

Einschlag_1_8_Regen

Einschlag_1_8_Regen (bei Galerieansicht ggf. F11 drücken)

Einschlag_1_9_Regen

Einschlag_1_9_Regen

1.9 Finetuning: Die Ebene „Regen 3“ reduziere ich auf eine Deckkraft von 80% und erzeuge eine Maske, die ich mit einem diagonalen Verlauf versehe, damit sie nicht über die vorderen Bildobjekte wirkt und damit mehr in den Hintergrund wandert. Die Ebene „Regen 2“ erscheint mir ein wenig zu kräftig, daher reduziere ich dessen Deckkraft auf 60% und schwäche in der Maske zudem noch ein paar zu starke Bereiche in der unteren Bildhälfte ab. Dafür verwende ich einen großen, weichen Pinsel bei einer Deckkraft von 20%.

Es werde Licht

Wer nicht über ein selbst geschossenes Bild von einem Gewitterblitz verfügt, wird im Internet fündig. Entweder in freien Stock-Galerien oder, wie in meinem Fall, im d-pixx – Forum bei Freunden. FranckM hatte ein tolles Gewitterbild gemacht und gab mir seine freundliche Erlaubnis, es für meine Montage verwenden zu dürfen.

Booouum - Autor: FranckM

Booouum – Autor: FranckM

2. Blitz aus dramatischen Himmel:

2.1 Die Regenebenen schalte ich nun alle aus und füge das Foto vom Blitz über meine Hintergrund-Ebene ein. Damit der Blitz zu meinen Bildobjekten passt, muss ich das Bild zuerst spiegeln, etwas skalieren und mit „Bild“ „Anpassungen“ „gleiche Farbe“ in der Farbe anpassen. Als Quelle wähle ich die Datei, die ich gerade bearbeite und darin die Ebene Hintergrund.

Einschlag_2_1_Blitz

Einschlag_2_1_Blitz (bei Galerieansicht ggf. F11 drücken)

Einschlag_2_2_1_Blitz

Einschlag_2_2_1_Blitz

2.2 Um den Blitz vom störenden Hintergrund zu befreien, wähle ich mit „Auswahl“ „Farbauswahl“ „Lichter“ nur die hellen Tonwerte aus. Anschließend verbessere ich mit „Auswahl“ „Kanten verbessern“ die markierten Bereiche und erstelle eine Ebenenmaske daraus. Mit dem Füllmodus „Aufhellen“ bleibt nun nur noch der Blitz übrig. Störende oder überflüssige Teile vom Blitz male ich mit einem schwarzen Pinsel in der Maske aus.

Einschlag_2_2_2_Blitz

Einschlag_2_2_2_Blitz (bei Galerieansicht ggf. F11 drücken)

2.3 Mit dem Transformieren-Werkzeug biege ich mir den Blitz so hin, dass er in den Turm des Gebäudes einschlägt. In einer Tonwertkorrektur für diese Ebene verschiebe ich den Weißpunktregler, damit der Blitz deutlicher und etwas überstrahlter wirkt.

Einschlag_2_3_Blitz

Einschlag_2_3_Blitz (bei Galerieansicht ggf. F11 drücken)

2.4 In einer weiteren neuen Ebene „Einschlag“ male ich mit einem „Borstenpinsel“ an den Einschlagstellen ein paar sprühende Sprenkler.

Einschlag_2_4_Blitz

Einschlag_2_4_Blitz (bei Galerieansicht ggf. F11 drücken)

Als letzte Schritte schalte ich alle Ebenen ein und justiere sie in Ihrer Deckkraft noch ein wenig. In der Maske der Ebene „Regen 2“ schwäche ich noch ein paar Regentropfen ab. Und zu guter Letzt führe ich eine finale Tonwertkorrektur durch, in der ich den Mittenregler ein wenig nach rechts verschiebe. So wird das Bild etwas dunkler und der Eindruck des gleißenden Gegenlichts vom Blitz nochmal verstärkt.

EinSchlag

EinSchlag

Das donnert doch ganz gut und entspricht auch meinem Bild im Kopf ziemlich gut.

Schreib einen Kommentar