Lieblingsbild: KnicksBaum

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Bäume sind bezaubernde Wesen.

Irgendwann fiel mir auf, dass ich in meiner Fotosammlung unheimlich oft Bäume finde. Offensichtlich fasziniert mich etwas an ihnen. Ich fragte mich, was das wohl sei. Neben meinem beliebten Thema Natur muss es die Symbolik sein. Aber was symbolisiert ein Baum?

Symbole: Natur, Mensch und Natur, Standfestigkeit, Ortstreue, Langlebigkeit, Wachstum (Aufstreben), Größe, Anpassungsfähigkeit (Jahreszeiten)

Ich suche nun gezielt besondere Charakterbäume. Fündig wurde ich schon oft. Aber kein Baum bezauberte mich bisher so sehr, wie die kleine Edelkastanie (Esskastanie, Maronenbaum) im Knoops Park.

Auf meinem Arbeitsweg komme ich oft an diesem Baum vorbei. Seine Schönheit ist besonders durch seine grazile Größe und Form, vergleichbar zu den anderen Bäumen im Park, gegeben. Aber es ist vor allem sein schwungvoller Stamm. Vermutlich wuchs er durch irgend ein Ereignis so gebogen. Er hatte möglicherweise irgendeine Last zu tragen, was ihn in seinem Lebenslauf einknicken lies. Er scheint eine leidvolle Verbeugung zu machen. Seine Äste aber streben weiter auf, als wolle er etwas umarmen. Erst kürzlich erfuhr ich, dass Bäume möglicherweise solche Stammformen hervorbirngen, wenn der Wurzel ein Hindernis, wie ein großer Stein, im Weg ist.

Das sind natürlich subjektive Eindrücke, auf die nur ein Mensch kommen kann. Aber es sind schöne Sinnbilder, um das Leben zu hinterfragen und besser verstehen zu lernen.

KnicksBaum

Die Kastanie steht aus fotografischer Sicht ungünstig am Rand eines großen, freien Grünhangs am Haus Schotteck. Rechts und links ist sie von anderen großen Bäumen gesäumt und nach vorne hin durch eine kniehohe Mauer zum Fußweg abgegrenzt.

Dieser „unglückliche“ Standpunkt forderte mich heraus, den Baum in seiner ganzen Pracht und Würde fotografisch abzubilden. Nicht einfach. Durch den Standort ergaben sich nur wenig funktionierende Perspektiven. Der Einsatz eines 18mm (@KB) Weitwinkelobjektivs stellte sich als am besten geeignet heraus. Ein weiteres Problem stellte der Hintergrund dar. Zwar ist es auch spannend, den Baum in seiner Umgebung, dem Hang mit der Villa Schotteck, abzubilden aber es entsprach nicht meinen Vorstellungen. Der Baum sollte im Bild freigestellt wirken und damit das Aufnahmeformat voll dominieren.

Eines Morgens zog von der Lesum, ein dem Park angrenzender Fluss, dichter Nebel auf. Das Morgenlicht erhellte den Dunst und ich konnte keine dreißig Meter weit sehen. Optimale Bedingungen für meine Bildidee. Nun zahlte sich aus, dass ich durch zahlreiche Versuche mir hinsichtlich Perspektive und Brennweite sicher war. Jetzt musste ich nur noch richtig belichten. Der Baum sollte leicht und filigran erscheinen und wegen seinem Wesen feenartig erstrahlen. Das lies sich nur mit reichlich Licht realisieren. Und so entschloss ich mich für eine Überbelichtung von einem Lichtwert und maß zudem noch mit der Spotmessung den dunklen Kopf des Stammes an. Dort platzierte ich auch den Fokus. Bei Blende 11 und dem Micro Four Third System war hier eine gute Schärfentiefe zu erwarten. Allerdings entstand bereits eine leichte Beugungsunschärfe, deren Weichzeichnungseffekt aber gut zu meiner Vorstellung vom Bild passte.

Viele Versuche waren nötig, um mich dem Motiv und meiner Bildidee zu nähern. Dabei probierte ich verschiedene Perspektiven und Aufnahmetechniken (Brennweiten bzw. Infrarotkamera) aus. Ganz so, wie ich es in Andreas Feiningers Kompositionskurs von 1974 gelesen hatte. Feiniger spricht dort von der Einkreisung des Motivs und von Untersuchung, Isolation und Organisation. Letztendlich muss in der Natur- und Landschaftsfotografie alles zusammen kommen. Der richtige Augenblick, Jahreszeit, Einfall und Stimmung des Lichts und das Schicksal genau dann vor Ort sein zu dürfen. Eine Art Biorhythmus, denn viel liegt eben am Licht!

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