Sanft bei Sonnenuntergang

NaturOase

Blog, Galerie, Natur-Makro

Die Natur-Oase vor der Haustür

Das ideale Fotorevier für Naturfotografen

Eigentlich mag ich den Winter, aber hier oben im Norden ist er schon lange nicht mehr das, was er sein sollte. Graue, kurze und ungemütliche Tage schmälern mein Fotovergnügen doch erheblich. Umso erfreulicher, dass nun endlich wieder das Licht aufgeht. Das merken auch die Frühblüher unter den Pflanzen und recken keck ihre Köpfe aus dem Boden, um sich der Frühlingssonne fröhlich und bunt zu präsentieren. Im Garten sehe ich bereits die ersten Krokusse, Narzissen und Tulpen. Nun dauert es nicht mehr lang, bis in meinem beliebten Fotorevier die Schachblumen wieder die grünen Wiesen mit ihren violetten Blüten sprenkeln.

Gibt es eigentlich das ideale Fotorevier für Naturfotografen? Ja! Ich habe es gefunden. Und zwar direkt vor meiner Haustür. Ich wohne in der Wesermarsch und habe das Glück, dass eine der größten Schachblumenpopulation in der Nähe meines Wohnortes liegt. So ein Glück haben Sie nicht? Genau das habe ich auch lange gedacht, bevor ich mir eines solchen Naturschauspiels direkt vor meinen Augen erst bewusst wurde. Ich sah immer die tollen Bilder von Buschwindröschen, Leberblümchen oder gar die Lavendelfelder der Toscana. „Die haben das gut …“ seufzte ich in Gedanken.

Zunächst denkt jeder Hobbyfotgraf sicher an exotische Gebiete in fernen Ländern. Richtet möglicherweise seine Urlaubsreise darauf aus und merkt schnell, dass begrenzte Zeit oft nicht die erhofften Bilder bringt. Dabei findet man solche Areale durchaus in der unmittelbaren Nähe. In städtischen Ballungszentren sind Naturgärten und Parkanlagen lohnende Ziele. Außerhalb findet man irgendwo zwischen Agrarflächen kleine oder größere Naturoasen. Entscheidend ist, dass man sich für Naturgebiete seiner unmittelbaren Umgebung interessiert, sie sucht und auch findet. Örtliche Naturschutzvereine können hier gute Tippgeber sein. Eine Kontaktaufnahme lohnt sich, denn oft sind Naturschutzgebiete nur mit Einschränkungen betretbar. Den Naturschützern kann man seine Dienste als Fotograf anbieten, um so gegenseitige Vorteile zu ziehen.

Das Naturschutzgebiet Juliusplate, bei Bremen an der Weser bietet neben dem Naturschauspiel der Schachblume auch viele andere Motive. Und so ist es naheliegend, dass ich einen großen Teil meiner fotografischen Tätigkeit dort verbringe. Ab Anfang April schaue ich bei meinen Streifzügen immer nach den ersten Anzeichen der besonderen Pflanze. Sind die ersten Sprösslinge herangewachsen, dann komme ich nicht umhin, mich in den darauffolgenden Wochen eingehend mit ihrer Erscheinung zu beschäftigen. Dabei bin ich immer auf der Suche nach neuen Sichtweisen und probiere verschiedene Aufnahmetechniken aus.

Weitwinkel im Nahbereich

Die Schachblume (Fritillaria meleagris), auch Schachblume oder Kiebitzei genannt, ist eine Pflanzenart aus der Familie der Liliengewächse (Liliaceae). Das Artepitheton meleagris bedeutet „Perlhuhn“ und bezieht sich auf das typische Muster der Blüte.
Die Schachblume ist in Deutschland stark gefährdet und gilt nach der Bundesartenschutzverordnung (BArtSchV) als besonders geschützt. 1993 wurde sie als Blume des Jahres ausgewählt. Sie ist hauptsächlich durch die Zerstörung ihrer natürlichen Lebensräume in Feucht- und Nasswiesen, Auwäldern und Überschwemmungsbereichen von Flüssen (Flussauen) bedroht. Weiter wirkt sich die anhaltende Nährstoffanreicherung der Böden durch Düngemittel ursächlich bestandsmindernd aus. In Österreich gilt die Schachblume als vom Aussterben bedroht.
Auszug www.wikipedia.org

Die Schachblume ist ein Liliengewächs und dem Krokus nicht unähnlich. Als Frühblüher ist die Pflanze mit ihren besonders gezeichneten Blütenblättern, die entfernt an ein Schachmuster erinnern, von April bis Mai anzutreffen. Sie blüht rund zwei bis drei Wochen und verschwindet dann in den später heranwachsenden Wiesenpflanzen. Der Beginn der Blütezeit ist von der vorangehenden Kälteperiode abhängig und kann selten genau vorhergesagt werden.

Taufrisch im Bokeh

Als Naturfotograf hat man ständig ein Dilemma. Einerseits möchte man die Schönheit der Natur einfangen, um sie anderen Menschen näher zu bringen, anderseits ist man im Naturschutzgebiet der größte Störenfried. Um diesen Widerspruch möglichst klein zu halten, muss man die Regeln und Verbote in Naturschutzgebieten unbedingt einhalten. Das sind für die Fotografie große Einschränkungen. Um Konflikte zu vermeiden rate ich daher, sich mit örtlichen Naturschützern oder Landschaftshütern abzusprechen. Dabei sollte man fotografische Absichten und das Bewusstsein für die Natur deutlich machen.

Bitte! Lieber Leser und Hobbyfotograf, erfüllen Sie mir einen Herzenswunsch. Die Schachblumen sind sehr empfindlich und stark gefährdet. Auch wenn sie in ihrer Blütezeit fast unerschöpflich erscheinen, betreten Sie die Schutzgebiete unbedingt mit angemessenem Verhalten. Verlassen Sie nicht die sichtbaren Wege und pflücken sie auf keinen Fall Blumen. Wenn Sie auch Fotos anfertigen wollen, seien sie besonders achtsam. Denn Sie sehen, was Sie sehen wollen und haben dann schon zig andere Blumen umgewalzt. Die hier gezeigten Bilder sind mit äußerster Vorsicht entstanden. In einem vorher mit dem Landschaftshüter abgestimmten Areal, über einen saisonalen Zeitraum von rund acht Jahren.

 

Früh morgens ist oft die beste Zeit um beeindruckende Aufnahmen zu machen. Nicht nur wegen dem Licht und der taufrischen Stimmung, auch weil die meisten Touristen noch schlafen. Sie würden einem eventuell nacheifern, ohne die bewusste Sensibilisierung für den Naturschutz mitzubringen und damit möglicherweise Schaden anrichten. Naturfotografen tragen dahingehend eine große Verantwortung. Dies sollte sich jeder an der Natur interessierte Hobbyfotograf unbedingt bewusst machen.

Sind diese Dinge einmal geklärt, kann man sich in aller Ruhe daran machen seine Motive aus unterschiedlichen Perspektiven und mit verschiedensten Aufnahmetechniken zu nähern. Mit viel Ausdauer über einen langen Zeitraum entstehen so ganz besondere Bilder, die ganz bestimmt auch zum Zweck des Naturschutzes ihre Anwendung finden werden. Das ist ein schöner Gedanke und zudem auch sinnvoll.

Der Ortoneffekt

Pflanzen geben wunderbare Motive ab. Sie sind bewegungsarm, sofern es windstill ist. Und sie flüchten nicht. Daher sind sie besonders geeignet um technische, handwerkliche und gestalterische Möglichkeiten der Makrofotografie auszuprobieren und zu trainieren. Dabei kann man unterschiedliche Objektive einsetzen. Ein Makroobjektiv bietet sehr gute Abbildungsleistung. Lange Brennweiten überbrücken größere Distanzen, wenn man wegen oben erwähnter Umstände nicht weit in geschützte Bereiche eindringen kann. Mit einer achromatischen Nahlinse kann man herkömmliche Objektive für Nahaufnahmen nutzbar machen. Hiermit sind Vorteile gegenüber einem Makroobjektiv im geringen Anschaffungspreis und der Flexibilität an verschiedenen Zoom-Objektiven zu bemerken. Besonders im Weitwinkelbereich ergeben sich damit ungewöhnliche Perspektiven.

Wie immer in der Fotografie, kommt dem Licht eine besondere Bedeutung zu. Bei prallem Sonnenlicht sind harte Kontraste zu erwarten. Sie wirken bei zarten Makroaufnahmen nur selten gut. Hier helfen kleine Faltreflektoren, mit denen man das Licht auf das Motiv führen kann. Sie sind meistens auch als Diffusoren einsetzbar, um hartes Licht zu streuen. Steht die Sonne tief, kann man schöne Gegenlichtaufnahmen machen. Am besten wirken die filigranen Pflanzen aber bei diffusem Licht. Daher ist bewölktes Wetter vom Licht her besonders geeignet. Farben werden dabei sauber und differenziert wiedergegeben. Durch leichtes Überbelichten bekommen zarte Pflanzen eine weiche, pastellige Note.

Eine flache Perspektive, also mit dem Motiv auf Augenhöhe, wirkt meistens spannender, als eine Draufsicht. Beim Einsatz eines Teleobjektives sind dabei möglicherweise störende Objekte zwischen der Kamera und dem Motiv. Man kann sie aber bewusst nutzen, um damit einen weichen, unscharfen Schleier um das fokussierte Motiv zu legen. Dem Fokuspunkt kommt in Makroaufnahmen eine besondere Bedeutung zu. Wohin damit? Im Nahbereich ist die Schärfentiefe sehr gering. Der fokussierte Bereich legt den Blickfang des Bildes fest. Er fokussiert das Interesse des Betrachters. Die Frage nach dem richtigen Schärfepunkt obliegt dem Fotograf und damit, was er mit dem Bild ausdrücken möchte. Insofern gibt es kein richtig oder falsch. Jedoch ist es nicht verkehrt, wenn man versucht eine harmonische, grafische Wirkung nach ästhetischen Maßstäben der Bildgestaltung zu erzielen. Das spricht nach den Regeln der Kunst viele Betrachter an. Gefahr besteht dann, wenn unbeabsichtigt mehrere Schärfepunkte entstehen. Das passiert im Nahbereich nur all zu schnell. Auf der schmalen Fokusachse liegen oft mehrere Punkte und bei der Konzentration auf einen wichtigen Punkt übersieht man leicht die anderen. Im späteren Bild weiß der Betrachter dann aber nicht, welchen Punkt der Fotograf betonen wollte. Daher ist es wichtig, sich den in der Schärfe liegenden Objekte bewusst zu werden und sie entsprechend im Bildformat zu platzieren.

Doch manchmal ist das gar nicht machbar. Eine nachträgliche Unschärfe über ein Bildmanipulationsprogramm kann hier helfen. Das ist wiederum unter Naturfotografen mit Schwerpunkt auf die Naturdokumentation verpönt. Und damit bin ich nicht so ganz einverstanden. Denn die Wahl der Perspektive oder die Wahl der Brennweite oder gar der ganzen Aufnahmeeinheit, stellen schon eine manipulative Sichtweise der Naturszene dar. Warum also darf ich nicht im Nachbearbeitungsprozess meiner Sehweise nachhelfen? Ich mache das recht oft, weil ich mir diese künstlerische Freiheit einfach herausnehme PUNKT

Wenn Sie gerne Abzüge meiner Bilder erwerben möchten, nehmen Sie doch einfach Kontakt mit mir auf. Ausführung und Formate sind individuell.

Kontakt

Siehe auch:
Publikationen: Leader-Abschlussdoku
Publikationen: d-pixx / Schachblumen